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Karnevalsverein 1853 Binningen e.V.
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Industrialisierung Deutschlands neue
Ballungsgebiete und Zentren entstehen lassen. Das Rheinland kam jedoch noch
längst nicht in den Genuss dieser aufstrebenden Entwicklung. Und so war es
nicht verwunderlich, dass die einzelnen Regionen des Rheinischen Schiefergebirges
von der Industrialisierung gänzlich wenig spürten - so auch die Eifel.
Etliche Binninger versuchten ihr Glück im Bergbau und waren in den Zechen des
Ruhrgebietes tätig. Zwar stand die tägliche Arbeit und das damit verbundene
Fortkommen im Mittelpunkt des Lebens der "Auswärtigen aus der Eifel". Dennoch
interessierten sich die Binninger für kulturelle Entwicklungen ihrer Kollegen.
Diese feierten bereits seit einigen Jahrzehnten in enger Anlehnung an katholisches
Brauchtum den "Karneval", die Austreibung des Winters und das "letzte Austoben" vor
der Fastenzeit. Zwar waren sich die Eifeler darüber im Klaren, dass sie eigentlich
gemäß ihrer religiösen Orientierung schon längst dieses Brauchtum hätten pflegen müssen.
Doch für Feiern, Ausgelassenheit und Spaß war in Binningen zu dieser Zeit beim besten
Willen kein Geld vorhanden.
1853 rappelten sich die "Kumpel" trotz aller Nöte dazu auf, die ihnen überlieferte
Tradition von Spaß, Gesang, Geselligkeit, Ausgelassenheit und vor allen Dingen Humor
vom Ruhrpott in die Eifel zu übertragen. Sie gründeten den "Karnevalsverein Binningen"
und zogen kostümiert durch das Dorf, um jedermann die Austreibung des Winters
zu demonstrieren. Die Begeisterung für die "öffentliche Zurschaustellung" war groß.
Die Bevölkerung war trotz magerer Zeiten bereit für ein Bisschen Abwechslung, Frohsinn -
und vor allen Dingen die Bereitschaft einiger weniger, in fremdartig anmutende Kostüme zu
schlüpfen.
Bis zum Ende des Jahrhunderts etablierte sich der Karneval in Binningen als Abwechslung
vom kargen und harten Arbeitsalltag in Feld und Wald. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts
wuchs der Mut der Eifeler Landbevölkerung, sich öffentlich zu zeigen und sozusagen
"vor aller Welt" mit humoristischen Einlagen und gepflegtem Scharfsinn aufzutreten.
Doch bevor es zu ersten Aufführungen kam, brach der 1. Weltkrieg aus - für Karneval
blieb kein Raum.
Ganz in der Tradition des Katholizismus gaben nach dem Kriege die Passionsspiele,
die in Forst, dem Sitz der Pfarrei, geboten wurden den Anstoß zu öffentlichen
Aufführungen. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Akteure aus der Forster
Passion, sofern sie Binninger waren, auch als Erste die Binninger Bühne betraten,
um im Karneval aktiv zu sein. Im Vordergrund stand - ganz der Entwicklung der Zeit
gerecht werdend - das Liedgut. Hierbei war von den Binningern der Einfallsreichtum
gefragt, Dinge, die sie humorvoll dachten und auch aussprachen, in Wort und Ton zu
präsentieren. Dies gelang vor allen Dingen aufgrund der regionalen Popularität der
Aktiven. Nicht ohne Grund hieß es in der Vordereifel seinerzeit: "Die Binninger bieten was,
das kann man hingehen".
Die ersten Bühnenerfolge veränderten zwar sicherlich die Gemütslage der Betrachter -
die Armut in der Eifel blieb. Der Ansporn, den Karneval von der Bühne wieder - wie
vor der Jahrhundertwende - ins Dorf zu tragen, war dennoch unerschütterlich. Mitte
der 30er Jahre sahen sich einige Binninger dazu motiviert, einen großen Karnevalsumzug
zu veranstalten. Doch damit nicht genug: Wie in der damals schon etablierten
Karnevalshochburg Köln üblich, musste es auch in Binningen ein "Prinz Karneval"
sein, der oberhalb des großen Prunkwagens drohnend "Helau" ausrief. Hierfür hatten
sich die Binninger - was für damalige Verhältnisse mehr als ungewöhnlich war - einen
"Zugereisten" ausgesucht: Anton Hammes, der aus dem Hunsrück stammte, vertrat an
vorderster Front den Binninger Karneval. Die Person war da - doch damit die Bauten
noch längst nicht. Unter schwierigsten Bedingungen trieb der Karnevalist
Johann Lorang seine Mitstreiter dazu, Materialien zum Wagenbau zu besorgen.
Der "Prinz Karneval" sollte so hoch wie möglich über dem Eifeldorf grüßen.
Das Ende vom Lied und Lorangs Bemühungen kam einer Achterbahnfahrt mit glücklichem
Ausgang gleich: Zunächst war der Prinzenwagen so pompös und hoch gebaut, dass er
plötzlich an die Spitze eines Scheunentores prallte - im zweiten Arbeitsschritt
wurde das Volumen reduziert und dennoch die karnevalistische Ausstrahlung erreicht,
die man sich erhoffte. Dies gelang auch - wenn nicht mit Glanz, so mit
Kostümierungs-Kunst - im Nachbardorf Dünfus: Noch heute erzählt man sich in Dünfus
von den "Zigeunern", die so echt aussahen, dass man sie von den "Binninger Originalen"
nicht mehr zu unterscheiden wusste. Die Dünfuser sahen sich kurzzeitig gar
ihrer Ernte bedroht - die Binninger Karnevalstruppe um Johann Lorang lachte
sich kräftig ins Fäustchen.

Die "Binninger Zigeuner" 1933
Parallel zum Wagenbau formierten die Binninger erstmals in ihrer Vereinsgeschichte
eine Garde. Zwar kam es einigen Aktiven durchaus ein wenig merkwürdig vor, dieselbe
Disziplin, die ihnen mit Ernsthaftigkeit im Militär angedrillt wurde, im Verein
aufs Korn nehmen zu müssen. Der Wirkung der Vorführung mit Säbeln tat dies jedoch
keinerlei Abbruch: Die Binninger amüsierten sich von Herzen über die "etwas anderen
Kadetten".
Der Beginn des 2. Weltkrieges zog einen abrupten Schlussstrich unter den
Binninger Karneval. Dies jedoch nur zwischenzeitig: Die Nachkriegszeit rief
umso mehr Binninger hervor, die sich des Frohsinns nicht nur veranlasst, sondern
ehrenamtlich verpflichtet sahen. Dabei spielte auch so manche Freundschaft, die in
Folge des Krieges viel zu früh beendet wurde eine Rolle. Die Binninger präsentierten
zu Beginn der 50er Jahre Karneval: Die großen Umzüge im Dorf, die trotz bitterster
Not zustande kamen, wurden begleitet von Vorträgen, die unmittelbar vor dem Haus des
närrisch Erwähnten direkt aufgeführt wurden. Die vorderste Präsentation oblag jeweils
dem "Prinz Karneval": In der Reihenfolge Nikolaus Reichert, Josef Ternes
("Wenesch Josef") und Alois Hartmann ("De Lustig") nahmen die Binninger an erster
Stelle die Demonstration der Fortführung des Karnevalsvereins Binningen wahr.
Parallel hierzu installierten die Binninger das Gremium "Elferrat". Hier wurden -
in Zusammenarbeit mit der Prinzengarde - die Aktivitäten des Karnevals abgestimmt
und organisiert.
Die Rolle der Prinzen bedeutete keinesfalls nur, während des Rosenmontagszuges
zu winken, sondern vor allen Dingen, Aufmerksamkeit auf den Binninger Karneval
in den Nachbargemeinden zu lenken. Auf Pferden reitend verkündeten die Binninger
im Umland die bevorstehenden Karnevals-Veranstaltungen in ihrem Dorf - und dies
mit Erfolg.

Karneval in Binningen anno 1951
Zu Beginn der 60er Jahre gewann der Elferrat des Karnevalsvereins
zunehmend an Bedeutung: Durch den Wegfall des "Prinz Karneval" entwickelte
sich das Gremium zur federführenden Institution des Vereins. Verstärken wollte
man das Bühnenprogramm. Doch es stellte sich die Frage "Wo ist eigentlich
unsere Bühne?" Die Binninger mobilisierten alles, was die weiterhin schwierige
"Wohlstands-Situation" hergab, und quartierten sich mit ihren "Kappensitzungen"
im Gasthaus Oster ein. Noch 1962 bedeutete dies jedoch ein Problem: Der Anbau der
Gastwirtschaft war noch neu und damit nicht beheizt. Doch auch dafür fanden die
"Narren" eine Lösung: Der Raum wurde kurzerhand eigenmächtig isoliert -
die Sitzung konnte starten. Dies bedeutete für den Verein eine zu dieser Zeit
wichtige Voraussetzung für sein Fortbestehen: Zum Einen wurden zwei völlig
unterschiedliche Kappensitzungen dargeboten, auf der anderen Seite sicherten
die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern den Fortbestand des Vereins.
Mit Liedern, Vorträgen, Kostümierungen - und alles in Allem einem Programm,
das die Binninger zu Scharen besuchten, etablierte der Karnevalsverein Binningen
seine Kappensitzungen.
Es folgte eine Pausierung der Aktivitäten bis zum Jahr 1978. Zu diesem
Zeitpunkt stellte der Karnevalsverein unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Scholten
ein von Grund auf neues Programm auf die Beine. Die Resonanz im
"Gasthaus zum Spessart" war dermaßen groß, dass nur zwei Jahre später
zum ersten Mal in der Geschichte des Karnevalsvereins ein Zelt aufgebaut
werden musste, um dem Zuschauerdrang gerecht zu werden.
1980 übernahm Gerhard Hammes den Vorsitz des Vereins.
Seit 1990 ist Günter Urwer Präsident des Karnevalsvereins Binningen.
In seiner Amtszeit vollzieht sich die Entwicklung des Vereins zum
Ausrichter einer der am meisten besuchten karnevalistischen Veranstaltungen
des Kreises Cochem-Zell.
[Autoren: Günter Urwer und Peter Michels]
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